… dass ab Mitte Juni die jungen Fledermäuse geboren werden? Dies geschieht in so genannten Wochenstuben, in denen sich je nach Fledermausart unterschiedlich viele Weibchen (wenige Tiere bis zu 1000 Weibchen beim Großen Mausohr) zusammenfinden.
So können sich die Jungtiere, die nackt und mit geschlossenen Augen geboren werden, gegenseitig wärmen, bis ihr Fell dicht genug ist. Durch Stimmfühlungslaute erkennen sich Mutter und Jungtier, so dass sie nach ihrer nächtlichen Insektenjagd ihr Junges in der Menge wieder findet. Tagsüber verfallen die Fledermäuse in einen winterschlafähnlichen Lethargiezustand, in dem sie auch einige Tage lang Schlechtwetterperioden ohne Nahrung überdauern können. Die Jungen werden 6-8 Wochen von ihrer Mutter gesäugt, dann lösen sich die Wochenstuben langsam auf und die Jungen lernen, sich selbst mit Insekten zu versorgen.
… dass die schöne etwa 2-4 m hohe Pflanze mit den riesigen zackigen Blättern und ihren etwa 50 cm Durchmesser großen Doldenblüten auf den bis zu 10 cm dicken Stängeln, die jetzt vielerorts blüht, der Riesen-Bärenklau ist?
Sie wird auch Herkulesstaude genannt, wurde im 19. Jahrhundert aus dem Kaukasus nach Deutschland eingeführt und vermehrt sich hier so stark, dass sie aus Naturschutzsicht ein Problem darstellt, da sie durch ihren üppigen Wuchs einheimische Pflanzen verdrängt. Auch aus gesundheitlichen Gründen ist der Riesen-Bärenklau nicht gern gesehen. Die Pflanze produziert Gifte zur Abwehr von Pflanzenfressern. Diese Gifte sind aber auch für den Menschen gefährlich, denn bei Berührung mit der Pflanze können unter Lichteinwirkung schon nach kurzer Zeit schwere Hautverbrennungen mit starker Blasenbildung entstehen. Man sollte jeden Hautkontakt mit der Pflanze vermeiden!
… dass Glühwürmchenlarven alle Arten von Schnecken verzehren? Die Schnecken werden durch Giftbisse der Leuchtkäferlarven getötet, selbst Gehäuseschnecken sind davor nicht sicher.
Die Larven können bis zu dreimal überwintern, bevor sie sich verpuppen. Die erwachsenen Glühwürmchen leben nur etwa 2-4 Wochen Ende Juni bis Juli und nehmen in dieser kurzen Zeit keine Nahrung mehr zu sich. In der Dämmerung klettern die Weibchen an einen gut sichtbaren Punkt und leuchten, um Männchen anzulocken. Dabei findet in den Leuchtorganen am Hinterleib eine biochemische Reaktion statt, bei der fast 100% der Energie zu Licht umgewandelt werden. Nach der Paarung legen die Weibchen 60-80 Eier und sterben kurz darauf. Glühwürmchen bevorzugen extensiv bewirtschaftete Flächen und sind auf ein Mosaik von Kleinstrukturen wie Trockensteinmauern, Steinhaufen, Asthaufen, offene Flächen, Wiesen, Brachen und Laubhecken angewiesen. Sie meiden übermäßig beleuchtete Bereiche. Ihre Lebensräume sind in vielen Bereichen zurückgegangen und sie können einen geeigneten Lebensraum nur dann neu besiedeln, wenn auch die Umgebung vielfältig ist, da die Mobilität der Tiere relativ gering ist.
… dass Mauersegler schon Mitte August wieder zurückwandern nach Afrika und damit in unseren Breiten die Brutvögel mit der kürzesten Aufenthaltsdauer von nur etwa 90-100 Tagen sind? Das liegt daran, dass Mauersegler Langstreckenzieher sind und jedes Jahr rund 190.000 km zurücklegen müssen.
In der Zeit bei uns können sie gerade mal eine Brut groß ziehen und wenn sie als sehr standorttreue Vögel bei ihrer Rückkehr aus dem Winterquartier ihre Brutplätze beseitigt oder verschlossen vorfinden und sich zunächst ein neues Quartier suchen müssen, dann schaffen sie nicht einmal das.
Generell leiden Mauersegler unter Wohnungsnot, denn Spalten und Nischen am Mauerwerk und unter Dächern werden immer häufiger abgedichtet. Abhilfe kann durch künstliche Nisthilfen geschaffen werden. Spezielle Mauerseglerkästen (Bauanleitungen gibt es bei der Naturschutzberatung) sollten in einer Höhe von mindestens 6 m geschützt vor praller Sonne außen an Gebäuden aufgehängt werden. Mauersegler brüten in Kolonien, verteidigen aber ihr eigenes Nest, so dass Kästen in Gruppen, aber im Abstand von etwa 50 cm angebracht werden sollten. Der Anflug muss frei sein. Um sie auf die neuen Quartiere aufmerksam zu machen, kann man die Mauersegler mit arteigenen Rufen von einer CD anlocken.
Hoffen wir, dass die schrill rufenden Insektenfresser, die im Geradeausflug Geschwindigkeiten von bis zu 180 km erreichen und sogar in der Luft schlafen können, auch im nächsten Jahr wieder bei uns wohnen werden.
… dass sich Blattläuse geschlechtlich und ungeschlechtlich vermehren können? Im Spätsommer entstehen Geschlechtstiere, deren Weibchen jetzt jeweils 40-100 Eier ablegen, die dann überwintern. Im Frühjahr schlüpfen daraus vorwiegend ungeschlechtliche Tiere, die täglich bis zu fünf lebende Klone „produzieren“. Dadurch können besonders bei warmem, trockenem Wetter schnell große Populationen aufgebaut werden.
Werden die Blattlauskolonien zu groß, können beim nächsten Generationswechsel geflügelte Tiere entstehen, die so schnell neue Lebensräume besiedeln können.
Natürliche Feinde von Blattläusen sind z.B. Marienkäfer, Ohrwurm, Florfliege, Schwebfliege, Schlupfwespe, Laufkäfer, Kamelhalsfliege, Weichkäfer, Spinnen, Weichwanze, Blumenwanze, Wespe, Hornisse und viele andere. Larven und Imagines des Siebenpunktmarienkäfers fressen z.B. täglich bis zu 150 – auf ihre Lebensdauer bezogen immerhin mehrere 1.000 Blattläuse! Florfliegenlarven (auch Blattlauslöwen genannt) nehmen in ihrer Entwicklungszeit von 2-3 Wochen bis zu 1.000 Blattläuse auf. Ein Ohrwurm frisst pro Nacht bis zu 120 Blattläuse, mit einer Lebensdauer von bis zu 10 Monaten sind das also sehr viele Blattläuse, die er vertilgt! An diesen Zahlen kann man sehen, dass es sich lohnt, Nützlinge zu fördern. Strukturen in der Landschaft, wie Hecken, Trockensteinmauern, Wegraine, Totholzhaufen, Ackerrandstreifen, Blühstreifen, Kleingewässer oder auch künstliche Nisthilfen für Vögel, Florfliegen, Ohrwürmer und andere tragen zur Förderung der Artenvielfalt und auch der Nützlinge bei.
… dass es Apfelsorten gibt, deren Geschmack als nussartig, mandelaromatisch, zitronig oder ananasartig beschrieben werden? In Deutschland wurden von den Pomologen etwa 3.000 Apfelsorten beschrieben, Mitte des 20. Jahrhunderts reduzierte sich durch den marktorientierten Anbau von Obst in Niederstammplantagen die Sortenvielfalt auf wenige Sorten, welche die EU-Norm erfüllen – gelbe, grüne, rote Kugeln, meist ohne viel Geschmack.
In der Schweiz gab es bis in die 70er Jahre sogar die so genannte „Sortenbereinigung“, bei der Prämien für die Rodung von Hochstammanlagen gezahlt wurden.
Früher gab es Sorten für fette, feuchte, arme, trockene Böden, für windoffene Lagen, für Lagen, in denen Spätfrost herrscht, eben für regional typische Standortbedingungen. Da gab es Sorten, die im August reiften, im September und genau jetzt, Sorten, die man direkt genießen konnte, aber auch solche, die man bis zum Juni des nächsten Jahres lagern konnte, denn sie waren wichtig für die Selbstversorgung der Menschen. Äpfel wurden nicht nur frisch gegessen, sondern auch zu Mus, Kuchen, Dörrobst, Kompott, Most oder Schnaps verarbeitet.
Die alten Sorten gibt es heute vor allem noch in Streuobstwiesen. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass ein Baum der Sorte „Roter Winterkalvill“ genau von dem schon vor 1600 benannten Baum abstammt, denn ein „Roter Winterkalvill“ ist der Baum nur, wenn er durch einen Zweig oder eine Knospe veredelt und immer wieder veredelt wurde. Man besinnt sich heute auf die alten Sorten, kein Wunder, denn an Geschmack und Verarbeitungsmöglichkeiten bieten sie eine unübertroffene Vielfalt!
Wie Martin Luther schon sagte: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“ – welche Sorte er sich wohl ausgesucht hätte?