Naturerlebnis als Betriebszweig

Wo passen umweltpädagogische Angebote besser als auf Bio-Höfen? Einige Bio-Bäuerinnen und -Bauern schaffen sich mit derartigen Aktivitäten ein zusätzliches Standbein. Im Frühjahr 2007 trafen sich alte und junge Hasen von Bioland- und Demeter-Betrieben in Nordrhein-Westfalen zu einem Erfahrungsaustausch über ihre Erlebnis-Angebote.

Einige haben regelmäßig Schüler für jeweils einen Vor- oder Nachmittag zu Besuch oder veranstalten Kindergeburtstage an Samstagen. Andere basteln an einem Ausflugs-Angebot für Senioren. Ihnen gemeinsam ist ihr Engagement in der Umweltpädagogik, manche in Kooperation mit anderen gemeinnützigen Einrichtungen.

Die Aktivitäten der Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern sind sehr vielfältig. Die Inhalte richten sich nach der Saison und nach den Tieren, die es auf dem Hof gibt. Das Tun, Mitmachen und Erleben ist dabei noch viel wichtiger als die theoretischen Kenntnisse. Da werden Kartoffeln gelegt oder später geerntet, Eier eingesammelt, der Schweinestall ausgemistet oder Apfelsaft hergestellt. Grenzen der Themenauswahl gibt es fast keine, ein Bauer bietet in den Ferien sogar Kurse im Treckerfahren an (siehe bioland 09/2006). Einige Bäuerinnen zeigen auf speziellen Kräuterführungen, welche Wild- und Kulturarten auf dem Betrieb vorkommen. Hierbei können die Besucher entdecken, wie eine Rosenkohlpflanze aussieht, wie die Schwarzwurzel blüht, oder man kann allerlei über Wild- und Gartenpflanzen wie Huflattich, Hauhechel und Herzgespann erfahren.

Kräuterführungen auf dem Hof: Die Bio-Bäuerin und Heilpraktikerin Gabi Langer ist pflanzenkundig und so schnell geht ihr der Stoff nicht aus. Sie bietet Kräuterführungen für drei oder auch acht Stunden an, die immer regen Anklang finden. Im Frühling beginnt sie mit den zehn Kräutern für die Gründonnerstagssuppe. Von Schafgarbe, Gänsefingerkraut, Gundermann, Brennessel, Löwenzahn erzählt sie allerhand, woher ihre Namen stammen, welchen landwirtschaftlichen Zeigerwert und welche medizinische Wirkung sie haben. Mythen, Geschichten und Legenden rund um diese Kräuter fehlen bei ihren Ausführungen nicht. Nach dem Rundgang über Wiese, Acker und Garten haben die Besucher 80 Pflanzen kennen gelernt. Der Koch bereitet aus den kennen gelernten Kräutern ungewohnte Kreationen, zum Beispiel eine Brennnesselsuppe.

Manche Kunden sind, wie Gabi Langer selbst, Heilpraktiker, die anschauen wollen, was sie verordnen. Aber auch allgemein an Kräutern interessierte Menschen besuchen ihre Seminare. Die Einnahmen aus den Seminaren steckt Gabi Langer meist gleich wieder in neues Saatgut. So konnte sie die Kornrade oder das Herzgespann wieder auf dem Betrieb ansiedeln.

Bauernhof zum Anpacken: Cora Voß und Heike Adelberger von der Hofgemeinschaft Örkhof e. V. betreuen im Sommer drei bis vier Kindergarten- und Schülergruppen pro Woche an jeweils einem Vormittag. Die Gruppen sind in der Regel drei bis vier Stunden auf dem Betrieb. Es geht immer um die gerade anstehenden Arbeiten: Schafe scheren, Käsen, Kartoffeln ernten. Die Hoftiere kommen bei den Gruppen immer gut an. Die Schweine sind besonders beliebt, an zweiter Stellen stehen die Hühner gefolgt von Kälbern oder Kühen.

Der Verein will demnächst einen Aufenthaltsraum bauen, so dass Schüler bald auch außerhalb der warmen Jahreszeit kommen können. Die Hofgemeinschaft ist sehr offen für alles, was die beiden sehr engagierten Frauen vorhaben und bietet großen Freiraum.

Was dürfen Angebote kosten?: Preise und Finanzierungsmodelle von solchen Angeboten werden stets sehr rege diskutiert. Bei Kindergarten- und Schülergruppen wird es schwierig, mehr als 5,- € pro Kind zu verlangen. Kindergeburtstage und Kräuterwanderungen dürfen deutlich mehr kosten. Trotzdem ist es für die meisten Anbieter schwierig, kostendeckend zu arbeiten. Manche Betriebe kooperieren mit gemeinnützigen Trägervereinen. Dadurch wird die Akquise von Stiftungsmitteln, Sach- und Geldspenden usw. möglich, und Investitionen können so leichter finanziert werden. Die steigende Nachfrage nach Angeboten, die ein Erlebnis in und mit der Natur bieten, bringt viele Gestaltungsmöglichkeiten. Die Kunst für den Anbieter besteht darin, Geben und Nehmen für sich selbst und die Kunden in Einklang zu bringen.

Anlauf- und Informationsstellen:

•  Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof (Baglob) ist ein bundesweites Netzwerk von Schulbauernhöfen und anderen Anbietern im Bereich Lernort Bauernhof. Der Verein bietet Tagungen an und vertritt die Interessen der Mitgliedsbetriebe nach außen. Internet : www.baglob.de

•  Die Evangelische Landjugendakademie in Altenkirchen bietet zahlreiche Veranstaltungen zum Lernort Bauernhof und Pflanzenpädagogik mit bundesweitem Teilnehmerkreis an. Hier bekommt man auch den sehr empfehlenswerten Leitfaden "Lernen auf dem Bauernhof"; Ansprechpartnerin: Claudia Leibrock, Internet.: www.lja.de

•  Fortbildungen bieten auch die Firma Wildwärts und die Naturschule Freiburg zusammen mit dem Wissenschaftsladen Bonn an; Internet: www.wilabonn.de weiterklicken zu "Bildungszentrum", weiter zu "Berufliche Weiterbildung" weiter zu "Pädagogik, Umweltbildung" oder www.wildwaerts.de .

•  Interessantes Material findet sich auch im Internet beim AID unter www.aid-macht-schule.de

•  In manchen Bundesländern gibt es Kurse bei den Landfrauen und der Offizialberatung.

•  Bioland in Baden Württemberg hat in den vergangenen Jahren einiges an Material zusammengestellt; Internet: www.bioland-bw.de

•  Die Naturschutzverbände wie BUND, Nabu, BN, die Naturschutzakademien der Länder, in NRW auch die Biologischen Stationen können ebenfalls eine interessante Infoquelle sein.

•  Fortbildungen zur Kräuterpädagogin finden Sie unter www.gundermannschule.de

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Gefördert von der Stiftung für Umwelt und Entwicklung in Nordrhein-Westfalen