Schutz von Tieren

Tierschonende Mähmethoden

Wiesen sind nicht nur die Futterquelle für unsere Nutztiere, sondern auch ein vielfältiger Lebensraum für viele verschiedene Wildtiere. Die einen besuchen Blüten, um Nektar und Pollen zu sammeln, andere leben an Blättern und Halmen, wieder andere halten sich in Bodennähe auf. Auch größere Wildtiere und Vögel nutzen Wiesen als Deckung und um ihre Jungen großzuziehen. Die Mahd bringt für sie eine extreme Veränderung ihres Lebensraumes und direkte Gefahren durch den Mähvorgang mit sich. Durch tierschonende Mähmethoden können diese jedoch minimiert werden.

Die Mähtechnik hat einen großen Einfluss auf die Anzahl der Tiere, die beim Mähen verletzt oder getötet werden. Rotationsmähwerke schädigen durch ihre hohe Messergeschwindigkeit sowie ihre Sogwirkung erheblich mehr Tiere, als Messerbalkenmähwerke. Bei der Kombination von Rotationsmähern und Aufbereitern werden bis zu 60% der in der Wiese lebenden Tiere geschädigt, bei Schlegelmulchgeräten betragen die Verluste sogar 35-100%. Durch die Anpassung der Schnitthöhe können Verluste erheblich vermindert werden. Bei einer Schnitthöhe von 5 cm werden z.B. rund 27% der vorkommenden Amphibien verletzt oder getötet, bei einer Schnitthöhe von 12 cm sind es nur noch 5%. Für viele bodennah lebende Glieder-, aber auch Wirbeltiere ist es von Vorteil, wenn die Stoppelhöhe möglichst 8 cm, besser 10-12 cm beträgt.

Auch durch die Mährichtung können Verluste reduziert werden: zunächst die Vorgewende mähen, dann von der Mitte der Fläche aus nach außen hin mähen. Diese Methode ermöglicht es, z.B. flugunfähigen Jungvögeln vor dem Mähwerk auszuweichen und verringert hier die Verluste von 40% auf 7%. In großen, artenreichen Wiesen können kleinere Teilflächen oder 3 m breite Randstreifen stehen gelassen werden, die dann als Rückzugsraum zur Verfügung stehen und erst beim nächsten Schnitt gemäht werden. Derartige Streifen, die bei der Herbstmahd stehen gelassen werden, sind wichtige Überwinterungsquartiere für Spinnen und Insekten. Zur Schonung von blütenbesuchenden Insekten ist es sinnvoll, die Mahd in den frühen Morgenstunden oder später am Abend durchzuführen und nicht an Schönwettertagen mit regem Honigbienenflug. Diese Maßnahme hilft auch Verluste bei Reptilien zu vermeiden.

Bodenlebewesen fördern

Gerade im ökologischen Landbau ist ein gesunder und fruchtbarer Boden wichtig. Dazu gehört ein vielfältiges Bodenleben, denn die Bodenorganismen übernehmen bedeutende Funktionen. Größere Bodentiere lockern und mischen den Boden und tragen dadurch zur Durchlüftung des Bodens bei. Erdfresser wie Regenwürmer und Asseln mischen organische und mineralische Stoffe, was durch die Verkittung im Darm der Krümelbildung dient. Mikroorganismen stabilisieren Bodenaggregate durch Schleimstoffe. Organische Stoffe werden zersetzt und Nährstoffe freigesetzt und damit für Pflanzen verfügbar gemacht.

Der Tierbesatz ist in Ackerböden stets geringer als unter Grünland, was vor allem an der Bodenbearbeitung liegt. Gute Durchlüftung des Bodens fördert zwar das Bodenleben, doch durch das Pflügen werden auch Tiere, die in den oberen Bodenschichten leben sowie Regenwurmgänge verschüttet. Verdichtungen vernichten die Hohlräume, die Lebensraum für viele Bodentiere sind. Bodenbearbeitung mit rotierenden Geräten dezimieren Regenwurmpopulationen deutlich. Zur Förderung des Bodenlebens ist eine schonende Bodenbearbeitung nötig. Besonders im Frühjahr, der Hauptaktivitätszeit der Regenwürmer, ist eine Minimal-Bodenbearbeitung von Vorteil. Weiterhin wirken sich organische Düngung, eine vielseitige Fruchtfolge mit Zwischenfruchtanbau und Mulchen positiv auf die Bodenfauna aus.

Weite Reihe – Lerchenfenster  

Die Feldlerche ist ein typischer Vogel der Agrarlandschaft, jedoch gehen die Bestände bereits seit 1960 zurück. Ursache für den Rückgang ist der zunehmende Anbau von Wintergetreide. Die Feldlerche nistet von April bis August am Boden auf unseren Feldern und  braucht  mehrere Bruten (wenigstens 2-3 Bruten), um ihre Population zu erhalten. Die erste Brut beginnt etwa in der zweiten Aprildekade und gelingt häufig. Die zweite Brut ist jedoch erst Ende Juni abgeschlossen und da ist es in heutigen Getreidebeständen einfach zu dicht und für die Lerchen außerdem zu feucht. Feldlerchen benötigen für die Brut schüttere Pflanzenbestände mit einer Höhe von maximal 50 cm. Früher konnten sie diese Bedingungen im Sommergetreide und Hackfruchtbeständen finden. Heutzutage werden jedoch wesentlich mehr Flächen mit Wintergetreide, Mais und Raps angebaut und im Grünland sind liegen die Mähzeitpunkte in der regel zu eng für erfolgreiche Bruten.
 Eine Möglichkeit um die Brut der Feldlerchen zu schützen besteht darin, sogenannte Lerchenfenstern anzulegen. Dazu setzen Sie beim Drillen die Maschine zweimal aus. Zwei Lerchenfenster von etwa 20 m² pro Hektar reichen, um den Feldlerchen ein geeignetes Nisthabitat zu bieten. Ungeeignet sind Stellen mit besonders vielen Wurzelunkräutern. Die Lerchenfenster sollten etwa 25 m vom Ackerrand und von eventuellen Fahrgassen entfernt sein, da diese Bereiche häufig von Füchsen zur Nahrungssuche genutzt werden. Diese Maßnahme verdreifacht den Bruterfolg der Feldlerche – und das bei nur 40 m² pro Hektar.  Niedrigbleibende Untersaaten wie Weißklee werden wahrscheinlich von den Lerchen auch angenommen wohingegen hochwachsende Untersaaten wie Rotklee  für die Lerchen die gleichen Probleme wie dichtes Getreide verursachen.

Zaunpfähle für Wildbienen und Co

Unter den Wildbienen und vielen anderen Insekten herrscht in der heutigen freien Landschaft Wohnungsnot. Häufig fehlt außerdem noch das Nahrungsangebot (kaum Blüten nach der Rapsblüte). Zumindest bei der Wohnungsnot von Arten, die Holzwohnungen bevorzugen, kann leicht geholfen werden. Nehmen Sie einen Klotz Hartholz oder eine Baumscheibe (mindestens 8 cm dick) und bohren Sie Löcher hinein. Hängen Sie den Klotz dann so auf, dass Sie Ihre Untermieter beobachten können. Ungewöhnlich aber sehr wirkungsvoll macht es Landwirt Ulrich Kaltenpoth: Er bohrt die Löcher in Zaunpfähle. Wildbienen und Insekten nehmen sein Wohnungsangebot sehr gern an. Die Löcher sollten Durchmesser von 2 bis 10 mm haben. Ausgefranste Kanten durch unscharfe Bohrer werden als Wohnungseingang gemieden.

Fledermausquartiere an neuen Hallen

Neue landwirtschaftliche Gebäude wie Hallen oder Ställe werden häufig mit Trapezblechen erstellt. Was praktisch und günstig für uns ist, ist leider unwirtlich für Fledermäuse. Die suchen im Sommer gern Unterschlupf unter Schieferplatten, in Fugen und Ritzen, in altem Gebälk usw. Manche Arten schlafen auch gern in hohen alten Bäumen. Von dort aus fliegen sie jeweils am Abend und am Morgen auf die Jagd zum Beispiel nach Insekten. Im Winter fliegen viele Fledermausarten in die Mittelgebirge und überwintern dort in  alten Stollen und Höhlen.

In modernen landwirtschaftlichen Gebäuden können Sie auf ganz einfache Art mit ein paar Brettern Sommerquartiere für Fledermäuse schaffen: Sägeraue Bretter werden mit Abstandhaltern von außen an eine Wand geschraubt und das in möglichst großer Höhe unter einem Dachüberstand und auf Nord- oder Ostseiten (Süden und Westen heizen sich zu sehr auf). Die Fledermäuse krabbeln dann hinter das Brett und hängen sich bequem zum Schlafen auf.

 

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