Ökopunkte und Ausgleichsmaßnahmen

  1. Wenn Sie auf Ihrem Hof bauen und Ausgleichsmaßnahnmen durchführen sollen, lesen Sie » Ausgleichsmaßnahmen für Bauaktivitäten.
  2. Wenn Sie Ökopunkte verkaufen wollen, kommt für Sie vielleicht das Dortmunder Modell in Frage, bei dem auch Formen der umweltfreundliche Bewirtschaftung wie ökologische Bewirtschaftung, Blühstreifen, Streuobstwiesen, Grünlandnutzung über ein Punktesystem als Ausgleichsmaßnahmen gewertet werden können.

Ausgleichsmaßnahmen für Bauaktivitäten auf Ihrem Hof

Heckpflanzaktion
Hecken Pflanzaktion mit Schülern
© Eva Meyerhoff

Wenn Sie zum Beispiel eine Halle bauen, fordert der Gesetzgeber, dass sie für die Natur Ausgleichsmaßnahmen durchführen. Die Naturschutzberatung-NRW unterstützt Sie gern bei der Planung und Umsetzung. Dabei werden sowohl die Belange des produzierenden Betriebes als auch der Natur und der entsprechenden Verordnungen berücksichtigt. Gemeinsam suchen wir nach Lösungen, die Ihrem Betrieb zugute kommen, den Betriebsablauf nicht stören und der Natur viel nutzen.

Die Behörden sind hier erfahrungsgemäß flexibel, was die Art der Maßnahme angeht. Häufig macht es auch Sinn, sich zum Beispiel für Pflanzaktionen fleißige Helfer zu suchen. Das können die Jäger sein, eine Schulklasse oder die örtliche Naturschutzgruppe. Bei Bedarf stelle ich den Kontakt her. Gern sorgen wir auch für eine entsprechende Resonanz in der Lokalpresse.Rufen Sie an » Kontakt

Das Dortmunder Modell – ein innovatives Konzept für Ausgleichsmaßnahmen

Umstellung zum Ökolandbau endlich auch als Ausgleich anerkannt und gewollt

Ausgleichsmaßnahmen – was ist das?

Wer Straßen, Wohnhäusern, Gewerbegebieten und auch landwirtschaftliche Gebäude baut, muss nach dem Landschaftsgesetzt für einen Ausgleich dieses Eingriffes in die Natur sorgen. Besonders beliebt sind Neuanpflanzungen von Feldgehölzen oder Neuanlagen von Obstwiesen. Solch ein Ausgleich soll möglichst nah am Ort der Verursachung geschehen. Details sind nicht bundeseinheitlich sondern in jedem Bundesland anders geregelt.

Situation in Dortmund

Die Stadt Dortmund hat in den Jahren 2003 bis 2005 ein neues Konzept für die Ausgleichsmaßnahmen entwickelt. Das war aus folgenden Gründen notwendig geworden:

  1. die Unterhaltung und Pflege der Ausgleichsmaßnahmen ist nicht mehr zu bezahlen
  2. die Landwirtschaft verliert die Fläche doppelt: einmal für die Baumaßnahme und einmal für den Ausgleich. Die Stadt Dortmund will aber die Lebensgrundlage der Landwirtschaft erhalten. Immerhin gibt es im Stadtgebiet 116 Betriebe, die 5600 ha bewirtschaften und darunter sind viele im Vollerwerb: 39 Betriebe mit mehr als 50 ha bewirtschaften 70 % der Fläche.
  3. Obwohl die Stadt Dortmund die Stadt im Ruhrgebiet mit der meisten Landwirtschaft ist (immerhin 28 % der Fläche), ist irgendwann alles verbraucht. So war allein für das Jahr 2004 ein Bedarf an Ausgleichsfläche von 142 ha gegeben.
  4. Die Stadt ist der mit Abstand größte Landeigentümer. Pachtverträge an die Landwirte wurden aber nur für ein Jahr geschlossen, damit die Stadt jederzeit für Ausgleichsmaßnahmen darauf zurückgreifen kann. Für Landwirte keine gute Planungsgrundlage.

Projekt unter Einbeziehung aller Beteiligten

Das Dortmunder Modell hat sich über eine Zeitraum von zwei Jahren entwickelt. Beteiligt waren: die Stadt, die Agrarverwaltung (LWK), die Landwirte, der Bauernverband, die Naturschutzbehörden. Das war mitunter ein zähes Ringen, hat dann aber dazu geführt, dass alle Gruppen sehr viele ihrer Interessen einbringen und realisieren konnten.

Die Maßnahmen im Kern

Der Maßnahmenkatalog umfasst 10 Varianten. Die meisten sind produktionsintegriert, d. h. die Landwirte reduzieren die Bewirtschaftungsintensität auf eine bestimmte Weise (siehe Tabelle). Diese Varianten sind an Programme angelehnt, die es in der Vergangenheit gab und die den Landwirten bekannt sind. Für die Teilnahme an einer Maßnahme bekommen die Landwirte einen finanziellen Ausgleich und eine 5 jährigen Pachtvertrag mit Option auf Verlängerung. Die Beteiligung der Landwirte ist freiwillig.

Agrarbiotop Wertsumme Beschreibung
Ökolandbau nach EU-VO Nr. 2092/91 12 Umstellung von Flächen zum Ökolandbau
Extensiver Ackerbau 11 Ähnlich dem ÖL aber nur auf Einzelflächen
Blühstreifen 13 Anlage von Blühstreifen für drei Jahre, dann Rotation möglich
Uferrandstreifen 19 10 m breite ungenutzte Streifen entlang von Gewässern
Heckenanpflanzung 15 bis 19 Anlage von Gebüschen, Hecken mit Saum, mindestens 5 m breit
Extensive Wirtschaftswiese 16 Reine Schnittnutzung, keine mineralische N-Düngung
Extensive Weide- und Mähweidenutzung 16 Weide und Schnitt,
keine mineralische N-Düngung
Extensive Wiese ohne Düngung 17 Reine Schnittnutzung,
gar keine Düngung
Streuobstwiese 15 bis 17 Verschiedene Varianten
Extensive Ackerstreifen 11 Variante I: Schwarzbrache, Variante II: doppelter Reihenabstand mit Beerntung
konventioneller Ackerbau 6 übliche Bewirtschaftung
konventionelle Grünlandbewirtschaftung 9 bis 10 übliche Bewirtschaftung

Ökolandbau als Ausgleich akzeptiert und gewollt.

Die Umstellung von Flächen auf die ökologische Wirtschaftsweise ist theoretisch im Landschaftsgesetz von NRW vorgesehen. Zurecht, denn viele Untersuchungen belegen, das ökologisch bewirtschaftete Flächen sehr viel artenreicher sind. Da wurden zum Beispiel mehr Laufkäfer, mehr Regenwürmer, mehr Feldlärchen usw. gezählt. Da aber ein Bewertungsmaßstab für den Ökolandbau als Ausgleich noch fehlt, scheut sich jede Verwaltung, solch eine Umstellung zu akzeptieren. Hier ist das Umweltamt der Stadt Dortmund Vorreiter in der Umsetzung. Den detailierten Projektbericht finden sie hier (OekokontoZwiBe.pdf).

Die Resonanz bei den Landwirten

Die Biobetriebe im Stadtgebiet konnten durch das Verfahren einige neue Flächen hinzupachten. Konventionelle Betriebsleiter machen mit einem weinenden und einen lachenden Auge mit. Eigentlich haben Sie kein Interesse an solchen Maßnahmen. Doch durch den produktionsintegrierten Ansatz behalten sie eine Einkommensmöglichkeit statt früher oder später die Flächen zu verlieren.

Resonanz bei Kommunen und in der Fachwelt

Das Thema Ausgleichsmaßnahmen wird seit einigen Jahren im Lande heiß diskutiert. Besonders drückt es flächenarme Städte wie Oberhausen oder Herne (220000 Einwohner und nur noch 17 % Freifläche mit gerade mal 19 Bauern). Nach und nach wird das Problem aber auch Landgemeinden betreffen. Das Land NRW will das entsprechende Gesetz reformieren. "Produktionsintegrierte Maßnahmen" heißt das Zauberwort. Zurückfahren der Bewirtschaftungsintensität bringt dann ebenso Ökopunkte wie das Umwandeln eines Fichtenforstes in Mischwald oder das Anpflanzen von Hecken usw. "Wir hoffen, dass der Ökologische Landbau wie im Dortmunder Modell eine gebührende Berücksichtigung findet".

Erschienen im Bioland-Magazin 10/2006

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