
Hecken Pflanzaktion mit Schülern
© Eva Meyerhoff
Wenn Sie zum Beispiel eine Halle bauen, fordert der Gesetzgeber, dass sie für die Natur Ausgleichsmaßnahmen durchführen. Die Naturschutzberatung-NRW unterstützt Sie gern bei der Planung und Umsetzung. Dabei werden sowohl die Belange des produzierenden Betriebes als auch der Natur und der entsprechenden Verordnungen berücksichtigt. Gemeinsam suchen wir nach Lösungen, die Ihrem Betrieb zugute kommen, den Betriebsablauf nicht stören und der Natur viel nutzen.
Die Behörden sind hier erfahrungsgemäß flexibel, was die Art der Maßnahme angeht. Häufig macht es auch Sinn, sich zum Beispiel für Pflanzaktionen fleißige Helfer zu suchen. Das können die Jäger sein, eine Schulklasse oder die örtliche Naturschutzgruppe. Bei Bedarf stelle ich den Kontakt her. Gern sorgen wir auch für eine entsprechende Resonanz in der Lokalpresse.Rufen Sie an » Kontakt
Umstellung zum Ökolandbau endlich auch als Ausgleich anerkannt und gewollt
Wer Straßen, Wohnhäusern, Gewerbegebieten und auch landwirtschaftliche Gebäude baut, muss nach dem Landschaftsgesetzt für einen Ausgleich dieses Eingriffes in die Natur sorgen. Besonders beliebt sind Neuanpflanzungen von Feldgehölzen oder Neuanlagen von Obstwiesen. Solch ein Ausgleich soll möglichst nah am Ort der Verursachung geschehen. Details sind nicht bundeseinheitlich sondern in jedem Bundesland anders geregelt.
Die Stadt Dortmund hat in den Jahren 2003 bis 2005 ein neues Konzept für die Ausgleichsmaßnahmen entwickelt. Das war aus folgenden Gründen notwendig geworden:
Das Dortmunder Modell hat sich über eine Zeitraum von zwei Jahren entwickelt. Beteiligt waren: die Stadt, die Agrarverwaltung (LWK), die Landwirte, der Bauernverband, die Naturschutzbehörden. Das war mitunter ein zähes Ringen, hat dann aber dazu geführt, dass alle Gruppen sehr viele ihrer Interessen einbringen und realisieren konnten.
Der Maßnahmenkatalog umfasst 10 Varianten. Die meisten sind produktionsintegriert, d. h. die Landwirte reduzieren die Bewirtschaftungsintensität auf eine bestimmte Weise (siehe Tabelle). Diese Varianten sind an Programme angelehnt, die es in der Vergangenheit gab und die den Landwirten bekannt sind. Für die Teilnahme an einer Maßnahme bekommen die Landwirte einen finanziellen Ausgleich und eine 5 jährigen Pachtvertrag mit Option auf Verlängerung. Die Beteiligung der Landwirte ist freiwillig.
| Agrarbiotop | Wertsumme | Beschreibung |
|---|---|---|
| Ökolandbau nach EU-VO Nr. 2092/91 | 12 | Umstellung von Flächen zum Ökolandbau |
| Extensiver Ackerbau | 11 | Ähnlich dem ÖL aber nur auf Einzelflächen |
| Blühstreifen | 13 | Anlage von Blühstreifen für drei Jahre, dann Rotation möglich |
| Uferrandstreifen | 19 | 10 m breite ungenutzte Streifen entlang von Gewässern |
| Heckenanpflanzung | 15 bis 19 | Anlage von Gebüschen, Hecken mit Saum, mindestens 5 m breit |
| Extensive Wirtschaftswiese | 16 | Reine Schnittnutzung, keine mineralische N-Düngung |
| Extensive Weide- und Mähweidenutzung | 16 | Weide und Schnitt, keine mineralische N-Düngung |
| Extensive Wiese ohne Düngung | 17 | Reine Schnittnutzung, gar keine Düngung |
| Streuobstwiese | 15 bis 17 | Verschiedene Varianten |
| Extensive Ackerstreifen | 11 | Variante I: Schwarzbrache, Variante II: doppelter Reihenabstand mit Beerntung |
| konventioneller Ackerbau | 6 | übliche Bewirtschaftung |
| konventionelle Grünlandbewirtschaftung | 9 bis 10 | übliche Bewirtschaftung |
Die Umstellung von Flächen auf die ökologische Wirtschaftsweise ist theoretisch im Landschaftsgesetz von NRW vorgesehen. Zurecht, denn viele Untersuchungen belegen, das ökologisch bewirtschaftete Flächen sehr viel artenreicher sind. Da wurden zum Beispiel mehr Laufkäfer, mehr Regenwürmer, mehr Feldlärchen usw. gezählt. Da aber ein Bewertungsmaßstab für den Ökolandbau als Ausgleich noch fehlt, scheut sich jede Verwaltung, solch eine Umstellung zu akzeptieren. Hier ist das Umweltamt der Stadt Dortmund Vorreiter in der Umsetzung. Den detailierten Projektbericht finden sie hier (
OekokontoZwiBe.pdf).
Die Biobetriebe im Stadtgebiet konnten durch das Verfahren einige neue Flächen hinzupachten. Konventionelle Betriebsleiter machen mit einem weinenden und einen lachenden Auge mit. Eigentlich haben Sie kein Interesse an solchen Maßnahmen. Doch durch den produktionsintegrierten Ansatz behalten sie eine Einkommensmöglichkeit statt früher oder später die Flächen zu verlieren.
Das Thema Ausgleichsmaßnahmen wird seit einigen Jahren im Lande heiß diskutiert. Besonders drückt es flächenarme Städte wie Oberhausen oder Herne (220000 Einwohner und nur noch 17 % Freifläche mit gerade mal 19 Bauern). Nach und nach wird das Problem aber auch Landgemeinden betreffen. Das Land NRW will das entsprechende Gesetz reformieren. "Produktionsintegrierte Maßnahmen" heißt das Zauberwort. Zurückfahren der Bewirtschaftungsintensität bringt dann ebenso Ökopunkte wie das Umwandeln eines Fichtenforstes in Mischwald oder das Anpflanzen von Hecken usw. "Wir hoffen, dass der Ökologische Landbau wie im Dortmunder Modell eine gebührende Berücksichtigung findet".
Erschienen im Bioland-Magazin 10/2006