Kopfbäume

Kopfweiden
Kopfweiden
© Cécile Hahn

Kopfweide als Schattenbaum
Kopfweide mit ausgehöhltem Stamm
als Schattenbaum auf einer Weide
© Cécile Hahn

Kopfbäume, auch Schneitelbäume genannt, haben ihre charakteristische Wuchsform der menschlichen Nutzung zu verdanken. Die Bäume lieferten Schnittmaterial zur Gewinnung von Brennholz, Flechtmaterial, Viehfutter und Stalleinstreu. Gleichzeitig dienten sie jedoch auch als Markierung von Weg- oder Flurstücksgrenzen. Als Kopfbäume wurden und werden vor allem Weidearten wie z.B. Korb-, Bruch- und Silberweide verwendet. Aber auch Pappeln, Eschen, Eichen und sogar Buchen werden lokal als Kopfbäume genutzt. Die Bäume wurden je nach Region und Gehölzart ca. alle 5, 10 oder 20 Jahre in 1 bis 2 m Höhe geschneitelt, d.h. der Stamm wurde entastet und lediglich die Neuaustriebe am "Stammkopf" wurden stehen gelassen. Dies führte zu der typischen Kopfform der Bäume. Durch das Eindringen von Pilzsporen und Wasser an den zahlreichen Schnittstellen kam es zur Fäulnis. Diese zerstörte das Kernholz und der Baumstamm höhlte aus.

Kopfbäume sind Nahrungsrundlage und Lebensraum für viele Arten sowie markante Landschaftselemente. Alte Kopfweiden mit Stammhöhlen stellen beispielsweise eines der wichtigsten Bruthabitate für den bedrohten Steinkauz sowie den Wendehals, Gartenrotschwanz und Grauschnäpper dar. Daneben finden zahlreiche auf die Weide angewiesene Käferarten und Totholzbewohner in den dickstämmigen moderholzreichen Kopfbäumen einen Lebensraum wie z.B. Moschusbock und Weidenbohrer. Die hohlen Stämme sind Wohnungsstätten für Wiesel, Marder und Fledermäuse. Die früh blühenden Weiden bieten Bienen im Frühjahr mit ihren vielen Kätzchen-Blüten Nahrung. Kopfbäume können dem Weidevieh als Unterstand und Schattenbäume dienen.

Gefährdung

Die Bestände der Kopfbäume sind jedoch deutlich zurückgegangen. Ursachen dafür sind die Intensivierung der Landwirtschaft mit der Umwandlung von Grünland- in Ackernutzung sowie der fehlenden wirtschaftlichen Bedeutung der Kopfbäume, da die Brennholzerzeugung oder die Nutzung als Faserholz für die Spanplattenproduktion nicht in angemessener Relation zum Pflegeaufwand stehen und kein nennenswerter Absatzmarkt für Flechtmaterial besteht. Dies führt vielerorts zur Aufgabe der Pflege. Unterbleibt die Pflege brechen die Bäume auf Grund der Last der statisch instabilen Krone auseinander. Da Kopfbäume zahlreiche wichtige ökologische und landschaftsprägende Funktionen haben, sollten sie jedoch in ihrer traditionellen Form erhalten werden. Die ursprüngliche Nutzung der Kopfbaumruten hat sich auf andere Bereiche verlagert. Weidenruten werden beispielsweise oft in Schulen oder Kindergärten als Baumaterial für Spieltunnel, Flechtzäune u.a. eingesetzt. Daneben bieten sich in Privatgärten Gestaltungsmöglichkeiten mit Weidenruten sowie der Einsatz als Ufersicherung im Biologischen Gewässerbau.

Kopfbäume pflegen

Rückschnitt von Kopfweiden
Rückschnitt von Kopfweiden
© Willi Hennebrüder

Die Pflege der Kopfbäume ist oft aufwendig und teilweise mit erheblichen Kosten verbunden, da Spezialtechnik (evtl. Hubsteiger) erforderlich ist. Der Pflegerhythmus der Kopfbäume ist neben der Baumart abhängig von den örtlichen Wuchsbedingungen und der Nutzungsform.

Hochstämmige Kopfbäume werden alle 3 bis 5 Jahre geschnitten und die niedrigen Korb- und Bindeweiden, deren Ruten sich sehr gut zum Flechten eignen, jährlich. Kopfweiden müssen mindestens alle 5 – 10 Jahre genutzt werden. Andere Baumarten müssen sogar noch häufiger beschnitten werden.

Der Schnitt der Kopfbäume sollte in der Saftruhe-Periode, d.h. von Oktober bis Ende Februar, jedoch nicht an Frosttagen durchgeführt werden. Wichtig ist, dass jeder Ast einzeln und sauber geschnitten wird. Größere Bestände sollten abschnittsweise gepflegt werden, damit für die zahlreichen Bewohner der Kopfbäume ausreichend Lebensraum vorhanden ist.

Dünnere Äste können mit einer Baumschere, dickere mit einer Motorsäge geschnitten werden.  Die Äste der Kopfbäume stehen häufig sehr schräg und damit unter starker Spannung. Für sehr dicke Äste  hat Dietmar Veith beim Kettensägen-Kurs folgende Tipps bekommen: Auf der Unterseite wird eine Fallkerbe gesägt. Dann sticht man mit der Spitze der Kettensäge durch die Mitte des Astes. Nun sägt man nach außen. So kann der Ast fallen, ohne dass er vorher reißt und gefährlich wird. Man achte darauf, dass die Bruchleiste stehen bleibt. Zwischen tiefster Stelle der Fallkerbe und dem Einstich in der Mitte des Astes bleiben 10 % des Stammdurchmessers stehen. Dadurch bleibt die Fallrichtung kalkulierbar.

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Projektförderung durch:
Gefördert von der Stiftung für Umwelt und Entwicklung in Nordrhein-Westfalen