Ein vielseitig gestalteter Hof ist nicht nur ein Paradies für unsere vielen heimlichen Mitbewohner, sondern ist auch die Visitenkarte für Ihren Betrieb. Mit kleinen Naturschutzmaßnahmen können Sie Großes bewirken.
Wenn es der Platz und die Arbeitsabläufe gestatten, sollte ein Hofbaum gepflanzt werden. Der Hofbaum prägt und belebt das Bild. Er bietet nicht nur einen angenehm schattigen Sitzplatz an heißen Sommertagen, sondern filtert auch die Luft – ein großer Baum kann 100 kg Staub im Jahr binden. Er bietet außerdem vielen Tieren einen Lebensraum. An Eichen wurden rund 200 verschiedene Insektenarten gefunden. Von einer Eiche profitieren noch viele Generationen, denn Eichen können 1000 Jahre alt werden! Eine schöne Rose, wild wuchernder Wein oder eine Spalierbirne an der Wand bringen das Grün und das Leben auch an den Wänden in Gang.
Ein Grasdach auf der Garage oder auf dem Stall sieht nicht nur schön aus, damit entsteht auch ein kleines ungestörtes Refugium in luftiger Höhe. Aber auch die „unordentlichen“ Ecken auf dem Hof sind wichtig – Ruderalflächen, an denen sich ein wenig Wildnis entwickeln darf, wo Brennnesseln Nahrung für die Raupen von mehr als 20 Falterarten bieten und oft schon selten gewordene Pflanzen wie der Gute Heinrich wieder auftauchen. Unversiegelte Bereiche auf der Hoffläche sorgen zum einen dafür, das Regenwasser besser versickern kann, zum anderen können sich Schwalben an Schlammpfützen Baumaterial für ihre Nester holen und viele Vögel nutzen trockene Stellen für ein Sandbad.
Der Bauerngarten war früher ein Kernstück des Hofes - zur Selbstversorgung unerlässlich! Er sieht nicht nur wunderschön aus, sondern strotzt vor Artenreichtum. Einheimische Stauden und Obstgehölze wechseln sich ab mit Gemüsepflanzen und Kräutern, Sommerblumen ergänzen die Vielfalt. Integriert man im Garten noch einen Reisig- und einen Steinhaufen, eine Blumenwiese und einen Teich, dann finden neben den vielen Insekten und Vögeln, die den Garten sicherlich sowieso schon nutzen auch Igel, Amphibien und Eidechsen einen neuen Lebensraum.
Bei Ihrer nächsten Pause auf der Bank vor der Tür achten Sie doch einmal darauf, wie sehr es summt, brummt, zwitschert und flattert, vielleicht sehen sie auch die geräuschlos vorbeihuschenden Fledermäuse in der Dämmerung um den Hofbaum jagen?
Es gibt in Deutschland ca. 550 Wildbienenarten, von denen allerdings bereits 52% auf der Roten Liste Deutschlands stehen. Die meisten dieser Wildbienen sind solitär lebende Arten, die Pollen in eine Brutröhre mit verschiedenen Kammern eintragen und darauf ihr Ei legen und die Röhre abschließend verkitten.
Gut zu beobachten ist dies an einem „Insektenhotel“ an einem sonnigen windgeschützten Ort. Sie bauen aus Hartholz ein Gerüst und füllen dieses anschließend mit Bambusrohren, Stroh- und Schilfhalmen, Holunderzweigen, morschem Holz, Hartholz mit Bohrlöchern (Ø 2-10 mm) und Ziegeln mit Hohlräumen. Sie können auch einzelne Bereiche mit Lehm verschmieren und das Dach mit Reet decken. Wenn nicht so viel Platz oder Zeit ist, ein komplettes Insektenhotel zu bauen, kann man auch ein Bündel Holunderzweige oder eine mit Bohrlöchern versehene Baumscheibe aufhängen. Viele Insekten brauchen Blüten oder sie leben von anderen Insekten, die wiederum auf Blütenpflanzen angewiesen sind.
Stimmt das Nahrungsangebot in der Umgebung, dann lohnt es sich, Nisthilfen für Vögel anzubieten. Nistkästen für Meisen kennt jeder. Aber es gibt auch spezielle Nisthilfen für Hausrotschwanz, Mauersegler, Rauch- und Mehlschwalbe, Baumläufer, Eulen und Greifvögel, Grau- und Fliegenschnäpper, Bachstelze, Rotkehlchen, Zaunkönig und Heckenbraunelle. Bauanleitungen können bei der Naturschutzberatung am KÖN (Birgit Petersen, Tel. 04262/9593-65, b.petersen -at- oeko-komp.de) angefordert werden.
Eine weitere Gruppe der nützlichen Insektenvertilger sind die Fledermäuse, die von uns Menschen selten wahrgenommen werden, weil sie nachtaktiv sind und ihre Laute für uns nicht hörbar sind. Einige Fledermausarten, wie z. B. die Zwerg- und die Breitflügelfledermaus sind Gebäudebewohner und leben in Nischen und Spalten. Andere dagegen, wie z. B. der Großer Abendsegler und die Wasserfledermaus bevorzugen Baumhöhlen. Es gibt spezielle Fledermauskästen, die den Fledermäusen im Sommer als Ersatzquartier dienen. Man kann aber auch mit relativ einfachen Mitteln, z.B. mit dem Anbringen von Nut- und Federbrettern entlang einer Gebäudekante ein Quartier schaffen. Wenn es auf dem Hofgelände alte Erdkeller oder Bunker gibt, die eine hohe Luftfeuchtigkeit besitzen, können diese als Winterquartier für Fledermäuse ausgebaut werden. Fledermäuse sind sehr ortstreu, so dass bekannte Quartiere unbedingt erhalten werden sollten.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, mit einfachen kostengünstigen Maßnahmen wertvolle Lebensräume zu schaffen. Allgemein gilt: je abwechslungs- und strukturreicher Ihr Hof, desto höher die Artenvielfalt! Weitere Anregungen und Tipps zum Thema bekommen Sie in dem Merkblatt "Die Hofstelle naturnah und attraktiv gestalten" (» siehe Infomaterial)