Im Zuge des Klimawandels ist mit einer Verschärfung der Hochwasserereignisse, speziell einer Zunahme lokaler Starkniederschlagsereignisse zu rechnen. Die Böden sind oft nicht in der Lage die anfallenden Wassermassen aufzunehmen und zu speichern. In der Folge kommt es zu Oberflächenabfluss. Die Landwirtschaft kann durch eine angepasste Flächenbewirtschaftung einen Beitrag zum vorbeugenden Hochwasserschutz leisten. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Infiltrationskapazität (Wasseraufnahmevermögen) der Böden sowie den Wasserrückhalt in den Einzugsgebieten zu erhöhen. Durch Verdichtung, Verschlämmung und Verlust an biologischer Aktivität kommt es zu einer verringerten Infiltration und dadurch zu einer Erhöhung der Intensität von Hochwasserereignissen.
Die Infiltrationsfähigkeit und damit der Oberflächenabfluss auf Ackerflächen wird wesentlich durch die Gefügestabilität bestimmt. Eine hohe Gefügestabilität verhindert eine Verschlämmung und Zerstörung der Grobporen zur Ableitung des Wassers im Oberboden. Zwischenfruchtanbau verbessert die Bodenstruktur und beschleunigt damit die Infiltration. Um Bodenverdichtungen und Fahrspuren (Abflussbahnen) zu vermeiden, sollte der Acker im günstigen Bodenzustand befahren werden. Maßnahmen, die den Kontaktflächendruck mindern, vor allem Reifenverbreiterung und Absenken des Reifeninnendrucks, schonen das Bodengefüge besonders.
Die Bodenbearbeitung sollte quer zur Hangneigung erfolgen. Dies führt zu querlaufenden Fahrspuren und Saatreihen, welche den Wasserabfluss bremsen. Durch eine Unterteilung von geneigten Ackerschlägen mit großen Hanglängen wird der Wasserabfluss im Hangverlauf verzögert bzw. das Wasser seitlich abgeleitet. Strukturelemente wie Feldgehölze, Raine usw. sind zur Gestaltung zweckmäßiger Schlaggrößen und Verkürzung der Hanglängen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen zu erhalten und wieder anzureichern, da sie den Abfluss hemmen.
Die wirksamste ackerbauliche Maßnahme zur Erhöhung der Infiltrationskapazität und damit des vorbeugenden Hochwasserschutzes ist die konservierende Bodenbearbeitung, da sie die Struktur der Bodenaggregate verbessert und stabilisiert. Dadurch und durch eine schützende Mulchauflage an der Bodenoberfläche wird die Verschlämmungsanfälligkeit des Bodens vermindert. Der Boden wird gleichzeitig in seinem vertikalen Aufbau erhalten und das Entstehen von Makroporen, z.B. durch eine gesteigerte Regenwurmtätigkeit, gefördert. Über die Makroporen kann Wasser schnell in tiefere Bodenbereiche abgeleitet werden und trägt somit nicht zum Oberflächenabfluss bei. Es können jedoch Probleme durch erhöhten Beikrautdruck im ökologischen Landbau auftreten.
Auch der Bewuchs hat einen großen Einfluss auf die Abflussprozesse, da er die Verdunstung erhöht und damit den Abfluss reduziert. Ziel sollte eine ganzjährige Bodenbedeckung sein und Schwarzbrachen verkürzt bzw. vermieden werden. Daneben wird durch den Bewuchs bzw. seine Durchwurzelung auch die Infiltrationsfähigkeit des Bodens gesteuert. Je dichter und je heterogener die Vegetation ist, desto mehr Wasser wird zurückgehalten.
Regenwasser von Dächern oder versiegelten Hofflächen wird in Dorflagen häufig in den Mischwasserkanal eingeleitet und belastet die Kläranlage mit Wasser, das eigentlich gar nicht geklärt werden muss. In vielen anderen Fällen fließt es in einen Graben oder Bach. Das ist zwar schon besser, steigert aber immer noch die Gefahr von Hochwasser. Die Speicherung und Nutzung von Regenwasser scheitert oft an den Kosten, wird mit steigenden Gebühren für Wasser und für versiegelte Flächen aber zunehmend interessanter. Eine ökologisch sehr sinnvolle und sehr kostengünstige Variante ist die Versickerung des Regenwassers auf einem bewachsenen Grundstück. Besonders im Außenbereich ist das sehr einfach zu realisieren. Das Wasser muss erst einige Meter weg vom Gebäude, um Schäden zu verhindern. Dann kann es in eine flache Mulde geleitet werden. Je nach Bodenart wird sich bei starkem Regen ein kleiner Teich bilden und das Wasser mehr oder weniger schnell versickern. Man muss sich von der alten Vorstellung trennen, dass Wasser möglichst schnell weg und abgeleitet werden muss. Bei sehr tonigen Böden oder in Hanglagen wird man ein tieferes Loch buddeln und mit Kies / Schotter füllen, um darin das Wasser einzuleiten.