Hecken planen, pflanzen, pflegen

Weißdornhecke
Weißdornhecke
© Birgit Petersen

Hecken dienten früher der Landwirtschaft als Weidezäune und zur Gewinnung von Laubheu, Holz und Früchten. Auch heute bietet die Anlage von Hecken zahlreiche Vorteile wie Wind- und Erosionsschutz sowie Bodenverbesserung in ihrer näheren Umgebung. Hecken sind Brutplatz und Nahrungsbiotop für Vögel wie z.B. Neuntöter oder Dorngrasmücke und können insgesamt mehreren tausend Tierarten als Lebensraum dienen. Bei entsprechender Artenzusammensetzung bietet eine Hecke monatelang ein Blüten- und Nektarangebot für Insekten. Sie tragen ferner zu einer größeren Artenvielfalt und damit auch zu einer höheren Nützlingspopulation bei.

In reich strukturierten, vielfältigen Landschaften kommt es somit weniger zu Massenvermehrungen von Schädlingen. Daneben bereichern Hecken das Landschaftsbild und bilden einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung von Landschaftsteilen und dienen Arten der Wälder und Gehölze als Ausbreitungslinien und Lebensraum sowie vielen Arten als Orientierungshilfe bei der Wanderung zwischen Biotopen. Für das Weidevieh sind Hecken Witterungsschutz und Schattenspender. Darüber hinaus liefern sie Brennholz und Wildfrüchte (z.B. Holunder, Schlehen und Hagebutten) für Marmeladen, Gelees und Brände. Je nach Ausgestaltung der Hecke bietet sie unterschiedlichen Tieren Lebensraum, Schutz oder Nahrung. Der Hecken- oder Krautsaum stellt ebenfalls einen wichtigen Lebensraum dar. Wird dieser nicht umgepflügt und jährlich gemäht, bringt er im Zusammenspiel mit den Gehölzen eine noch größere Vielfalt an Tieren hervor.

Bei der Anlage von Hecken können auch Nachteile entstehen:

  • Verlust von Anbaufläche
  • Räumliche Beeinträchtigung bei der Flächenbearbeitung
  • Schattenwurf und dadurch späteres Abtrocknen des Bodens im Frühjahr und verspätetes Abreifen der Ackerfrüchte in diesem Bereich sowie mögliche Förderung von Pilzkrankheiten
  • Zwischenwirt für Krankheitserreger wie z.B. Feuerbrand oder Schädlinge wie z.B. Rüben- und Bohnenlaus
  • Mögliche Förderung von Mäusen
  • Vertreibung von Offenland-Arten wie z.B. Bodenbrüter

Des Weiteren müssen bei der Heckenanlage die Cross Compliance-Richtlinien bedacht werden. Diese verbieten die Beseitigung gewisser Gehölzstrukturen wozu auch die freiwillig neu angelegten Hecken zählen. Ein Beseitigungsverbot gibt es für:

  • Hecken und Knicks ab 20 m Länge
  • Nicht landwirtschaftlich genutzte Baumreihen ab 5 Bäumen und mindestens 50 m Länge
  • Nicht landwirtschaftlich genutzte Feldgehölze von 100 m2 bis 2.000 m2 Größe
  • Als Naturdenkmäler ausgewiesene Einzelbäume

Die Pflege der Gehölze stellt kein Verstoß gegen die Cross Compliance dar. Ausnahme ist das komplette Roden. Bei der Neuanlage von Hecken sowie beim Bau eines Schutzzaunes müssen Mindestabstände zur Nachbargrenze eingehalten werden. Die Mindestabstände sind in den jeweiligen Ländergesetzten geregelt.

Standort und Ausprägung der Hecke

Abgesehen von typischen Wiesen- und Bodenbrüterregionen, in denen z.B. Brachvogel, Wiesenweihe, Kiebitz und Bekassine heimisch sind, stellen Hecken prägende Elemente dar, die das Landschaftsbild bereichern und in den meisten Landschaften typisch und positiv zu bewerten sind. Hecken können parallel zur Bewirtschaftungsrichtung an Schlaggrenzen, zur Schlagunterteilung zwischen zwei Schlägen, an artenarmen Böschungen und Dämmen, entlang von Wegen und Wasserläufen sowie in spitzen Ecken bzw. scher zu bearbeitenden Zwicklen angelegt werden. Es gibt viele verschiedene Ausprägungen von Hecken. Man kann grundsätzlich zwischen ein- und mehrreihigen Hecken, ein- und mehrartigen Hecken sowie Hecken mit oder ohne Bäume unterscheiden. Drei- oder mehrreihige Hecken sind aus ökologischer Sicht oft sinnvoller, da sie ein eigenes, inneres „Heckenleben“ erst ermöglichen, jedoch müssen dafür mindestens 5 m Breite zur Verfügung stehen. Auf einer oder beiden Seiten der Hecke sollten ein Krautsaum angelegt werden, da sie die Lebensraumqualität der Hecke wesentlich steigern und als Puffer zum Kulturland wirken.

Gehölzauswahl

Die Auswahl der Bäume und Sträucher hat einen großen Einfluss auf den Charakter der Hecke. Entscheidend ist die Frage, ob Bäume in der Hecke stehen sollen oder nicht. Bei zu vielen Bäumen in der Hecke lichtet diese nach und nach aus, und es entsteht eine Baumhecke oder nur noch eine Baumreihe. Welche Gehölze geeignet sind hängt vom Standort (Boden- und Wasserverhältnisse, Höhenlage) ab und unterscheidet sich von Region zu Region. Bei den Gehölzen sollten heimische und standorttypische Sorten verwendet werden. Fremdländische Gehölze (z.B. Amerikanische Traubenkirsche) können zu großen Problemen führen und u.a. alle anderen Gehölze verdrängen. Auskünfte zu einheimischen und als standortgerecht eingestuften Gehölzen können auch die Naturschutzämter oder –behörden geben. Eine Liste mit Gehölzen für Blütenbesucher finden Sie hier: Blühende Gehölzliste

Hecken pflegen  

Um den Konkurrenzdruck durch Brennnesseln, Rainfarn oder anderen Aufwuchs gering zu halten, sollte in den ersten 3-4 Jahren je nach Pflanzenwuchs 1-2 Mal im Jahr zwischen den Sträuchern und Bäumen ausgemäht werden. Gerade im ersten Jahr ist bei starker Trockenheit ein Wässern notwendig.

Hecken dienten früher als lebende Zäune und als Quelle für Brennholz. Mancherorts wurde auch Laubheu gewonnen. Die Hecken wurden also regelmäßig gefressen und geschnitten. Da diese Funktionen heute kaum mehr eine Rolle spielen, werden Feldhecken meist nicht mehr gepflegt. Die Büsche und vor allem die Bäume darin werden immer höher, beschatten alles darunter, mit der Folge, dass die Hecken verkahlen. Für viele Tiere sind aber gerade die dichten Hecken viel interessanter als hohe Bäume. Das gilt zum Beispiel für Dorngrasmücken, Neuntöter aber auch für Fußgänger wie Rebhühner und Fasanen. Aus diesem Grund ist es wichtig, einen regelmäßigen Rückschnitt vorzunehmen und die Hecke auf den Stock zu setzen.  Diese Maßnahmen sollten räumlich und zeitlich gestaffelt erfolgen, d.h. die Hecke  nur 20 bis 50 m am Stück  und die ganze Hecke verteilt über  3  oder 5  Jahre runterschneiden. Damit vermeidet man eine plötzliche Wüste für die Heckenbewohner. Von Hand mit Motorsäge werden die Schnitte sauber und die Hecke treibt gut wieder aus. Die verfügbaren Maschinen sind da deutlich rabiater. Besonders schonend ist auch die plenterartige Entnahme von einzelnen Bäumen (zum Beispiel zur Gewinnung von Brennholz).

Bei so einer Arbeit kann es sich lohnen, darüber nachzudenken, wer einem dabei helfen kann. Vielleicht machen Sie eine Deal mit Jägern oder Naturschutzgruppen und revangieren sich mit Produkten von Ihrem Hof oder mit einer Glühweinparty in der Scheune, sie bieten ihr Strohlager für das nächste Jugendsommerlager an oder Sie haben eine andere gute Idee.

Weitere Informationen zu Hecken finden Sie in dem Merkblatt "Hecken planen, pflanzen pflegen"  » siehe Infomaterial

 

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