
Einen schmalen Streifen nicht mitmähen
Unsere Kulturlandschaft und besonders unser Dauergrünland ist sehr arm an Blüten geworden. Das hat gravierende Folgen für Blütenbesucher wie Bienen, Hummeln und Co. Wir nutzen unser Grünland wegen der Energiedichte und Verdaulichkeit für unsere Hochleistungstiere deutlich vor der Blüte. Darüber hinaus ist die Schlagkraft bei der Futterernte in den letzten Jahrzehnten rasant gesteigert worden. Zusammen mit einer besseren Wettervorhersage ist damit das Ernterisiko deutlich gesunken.
Dies alles ist ein deutlicher Gewinn für die Bewirtschaftung von Grünland. Doch es gibt Folgeeffekte für den Naturhaushalt, die wir auf den ersten Blick vielleicht gar nicht wahrnehmen. Auf unseren Wirtschaftsflächen kommen Pflanzen kaum mehr zur Blüte – aus der Sicht von Blütenbesuchern eine grüne Wüste. Selbst dort, wo noch nennenswert Blüten erscheinen, ist zur Ernte auf einen Schlag eine ganze Gegend leergeräumt. Imker sprechen vom "Ernteschock". Bienen und andere Blütenbesucher finden sich von heut auf Morgen ohne Nahrung und Lebensraum.
Nun gibt es eine sehr einfache und zugleich wirkungsvolle Möglichkeit, bei diesem Konflikt Abhilfe zu schaffen: Lassen Sie auf möglichst vielen Parzellen Ihres Grünlandes und auch Ihres Kleegrases einen schmalen Streifen ungemäht stehen. Bei der nächsten Nutzung ernten Sie diesen Streifen einfach mit und lassen an anderer Stelle wieder schmale Streifen stehen. Sie schaffen dadurch Nahrungs- und Lebensraum für Blütenbesucher sowie Deckung für das Wild. Nützlinge und Insektenfresser, wie bestimmte Vögel und Fledermäuse, profitieren ebenfalls davon. Solche Streifen lassen sich für die Öffentlichkeitsarbeit nutzen oder für gute Kontakte zu Imkern und Jägern.
Das Hauptrisiko, das Sie eingehen, besteht darin, dass solch ein ungewöhnliches Verhalten Gesprächsstoff mit den Altenteilern oder gar dem Stammtisch bietet - aber das kennen Sie als Biobetrieb ja schon.